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Jerry Mander / John Cavanough (Hrsg.)
Eine andere Welt ist möglich

Alternativen zur Globalisierung


München 2003 (Riemann); 384 Seiten; ISBN: 3-570-50048-9






Wenn wir nicht zulassen wollen, dass Konzerninteressen die Welt in eine globale Freihandelszone verwandeln, brauchen wir einen grundlegenden Umbau von Institutionen und Strukturen, die seit den Anfängen von Bretton Woods die Interessen des Kapitals über alle anderen gestellt haben. Und das heißt für die in diesem Band versammelten Experten: Abschaffung der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Welthandelsorganisation. Für internationale Handels- und Finanztransaktionen müssen neue Regeln formuliert werden. Unter dem Dach einer gestärkten UNO müssen neue globale Organisationen gegründet werden.

Hier werden Prinzipien formuliert, die auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene durchzusetzen sind. Dazu gehören: die Stärkung lokaler Wirtschaftsformen; strukturelle Veränderungen von Produktions- und Transportsystemen; der Schutz des Gemeineigentums vor privaten Kapitalinteressen; die Erhaltung von Artenvielfalt und kultureller Eigenständigkeit; die Beachtung des Nachhaltigkeitsprinzips; die Einführung neuer Maßstäbe zur Bewertung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Lebensqualität.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Ländern des Südens, die mehr als alle anderen zu den Opfern von IWF und WTO und damit zu den Verlierern der Globalisierung gehören. Nach Jahren der Proteste gegen die Globalisierung werden nun konkrete Vorschläge für einen sozialen Paradigmenwandel zur Diskussion gestellt. Die Autoren machen deutlich, dass der Weg zu wahrhaft demokratischen, nachhaltigen Beziehungen in Wirtschaft und Gesellschaft steinig sein wird. Doch die hoffnungsvolle Botschaft lautet: Eine bessere Welt ist möglich!


(Klappentext)




Ein Zwischenbericht des International Forum on Globalization, erarbeitet in dem Zeitraum von 1999 bis 2002. Außer von den beiden Herausgebern ist er von 17 weiteren Mitgliedern der Arbeitsgruppe Alternativen des IFG unterzeichnet: Sarah Anderson, Debi Barker, Maude Barlow, Walden Bello, Robin Broad, Tony Clarke, Esward Goldsmith, Randall Hayes, Colin Hines, Andrew Kimbrell, David Korten, Sara Larrain, Helena Norberg-Hodge, Simon Retallack, Vandana Shiva, Victoria Tauli-Corpuz, Lori Wallach.


Jerry Mander


ist Präsident des IFG (International Forum on Globalization), gehört zu den führenden Mitarbeitern des Public Media Center und hat mehrere Bücher geschrieben oder herausgegeben, darunter das „Schwarzbuch Globalisierung“.




John Cavanough


ist Direktor des Istitut for Policy Studies in Washington und hat eine Reihe von Büchern über die globalisierte Wirtschaft geschrieben.


Inhaltsverzeichnis


Einführung




Globaler Widerstand
Verschiedene Welten
Ökonomische Demokratie
Impuls zur Veränderung
IFG: Die Suche nach Alternativen







Kapitel 1 – Eine Kritik der wirtschaftlichen Globalisierung



I. Schlüsselelemente des Globalisierungsmodells




Übermäßiges Wirtschaftswachstum – Privatisierung und Vermarktung – Ökonomische und kulturelle Homogenisierung – Exportorientierter Handel und Investitionen – Die Nutznießer der Globalisierung – Die Rolle der Medien



II. Bürokratische Instanzen der Globalisierung




Die Weltbank – Der Internationale Währungsfonds – Das GATT und die Welthandelsorganisation – Vorschläge







Kapitel 2 – Zehn Prinzipien für zukunftsfähige Gesellschaften



Zehn Kernprinzipien für zukunftsfähige Gesellschaften




1. Neue Demokratie
2. Subsidiarität
3. Ökologische Nachhaltigkeit
4. Gemeinsames Erbe
5. Vielfalt
6. Menschenrechte
7. Jobs, Lebensunterhalt und Arbeitsplätze
8. Sichere Versorgung mit gesundheitlich unbedenklichen Nahrungsmitteln
9. Chancengleichheit
10. Das Vorsorgeprinzip



Anwendung der Prinzipien auf die Globalisierung







Kapitel 3 – Gemeineigentum: Was sollte für die Globalisierung tabu sein?



Was ist Gemeineigentum?



Gegenwärtige Bedrohungen für das Gemeineigentum




Die Privatisierung der Trinkwasserversorgung – Die Privatisierung des Erbguts – Die Privatisierung von Grund und Boden – Die Aneignung des Privateigentums als Abfallgruben



Gefahren für die modernen öffentlichen Güter



Vorschläge







Kapitel 4 – Argumente für Subsidiarität: Ausrichtung vom Globalen zum Lokalen



Subsidiarität verstehen



Der Weg zur Lokalisierung



Institutionen und Finanzen




Kapital – Steuern – Neue Regeln für Investitionen



Antworten auf Kritiker der Subsidiarität



Schlussfolgerung







Kapitel 5 – Unternehmensstruktur und Macht



Unternehmensstrukturen heute




Öffentliche und private Konzerne – Unternehmenskonzessionen



Bürgeraktionen gegen Unternehmensmacht




Die Verantwortlichkeit der Unternehmen fördern – Unternehmen für ihr Handeln zur Rechenschaft ziehen – Ausbeuterfirmen ausschließen oder ausweisen – Konzessionen für Unternehmen widerrufen oder revidieren – Beseitigung der Haftungsbeschränkung und der Persönlichkeitsrechte von Unternehmen – Die Demontage von Unternehmen und der Buy-out abwesender Eigentümer



Geheime Absprachen zwischen Unternehmen und Regierungen beenden




Die Unternehmen aus der Politik entfernen – Die Begünstigung der Konzerne beenden – Vorfahrt für unabhängige Unternehmen – Neue Investitionsregeln für Unternehmen – Handelsabkommen neu verhandeln oder aufheben



Alternative Unternehmensstrukturen







Kapitel 6 – Alternative Abläufe in Systemen



I. Energie




Was alternative Energiesysteme versprechen



II. Transportsysteme




Drei Haupttransportwege: Schiffahrt über die Weltmeere, Lufttransporte, Lkw-Transporte – Subventionen – Das private Auto – Ökostädte



III. Landwirtschaft und Ernährung




Alternative Lösungen
Acht maßgebliche Veränderungen:
1. Zölle und Importquoten, die Subsidiarität begünstigen
2. Revision der gegenwärtigen Patentgesetze
3. Bestimmungen und Standards für Nahrungsmittel lokalisieren
4. Bauern sollten kollektiv ihre Erzeugerpreise festlegen dürfen
5. Verzicht auf direkte Exportsubventionen und Zahlungen an Konzerne
6. Das Versagen der WTO-Marktzugangsregeln zur Kenntnis nehmen
7. Durch Landreformen die Umverteilung von Grund und Boden fördern
8. Veränderungen an der Basis



IV. Fertigungssysteme




Einbeziehung der vollen Kosten – Geschlossene Kreisläufe: kein Abfall – Natürliches Kapital reinvestieren – Veränderungen der Größenordnung bei Fertigungssystemen – Veränderungen der Größenordnung von Technologien – Vorfahrt für Ökoprodukte



V. Maßstäbe für ökonomischen Fortschritt




Bruttosozialprodukt und Bruttoinlandsprodukt – Warum es wichtig ist, das Negative einzubeziehen – Wie sich das Bruttoinlandsprodukt auf die Dritte Welt und die Armen auswirkt – Messen, worauf es ankommt







Kapitel 7 – Von Bretton Woods zu den Alternativen



Wesentliche Regeln für ein gerechtes und zukunftsfähiges internationales Handels- und Finanzsystem




Demokratische Selbstbestimmung – Ausgeglichene Handelsbilanzen – Faire Marktpreise – Offener Zugang zu Information und Wissen



Umgestaltung der institutionellen Rahmenbedingungen




Globale Kontrolle unter dem Dach der umstrukturierten Vereinten Nationen – Die Auflösung der Institutionen von Bretton Woods



Stärkung der ausgleichenden Kräfte im UN-System




Die Rolle der UNCTAD



Gründung neuer globaler Institutionen




Das Internationale Insolvenzgericht – Die Internationale Finanzorganisation – Regionale Währungsfonds – Das Internationale Handelsgericht – Die Organisationen für unternehmerische Verantwortung







Kapitel 8 – Schlussfolgerungen











Anhang




Quellenverzeichnis – Die Unterzeichner – Danksagungen – Register


Leseprobe


Einführung






Dieses Buch, Eine andere Welt ist möglich – Alternativen zur wirtschaftlichen Globalisierung, ist der Zwischenbericht über einen noch nicht abgeschlossenen Dialog unter den Mitgliedern des International Forum on Globalization (IFG). Das IFG ist vor allem bekannt geworden durch seinen Einsatz, öffentliche Aufmerksamkeit auf den Charakter und die Konsequenzen der wirtschaftlichen Globalisierung zu lenken, und durch seinen Widerstand gegen die Macht der globalen Herrschaft multinationaler Konzerne. Die Autoren dieses Bandes glauben, dass der Erfolg von Bürgerbewegungen maßgeblich davon abhängt, dass sie sich aktiver für den Aufbau einer Welt einsetzen, die ihren Vorstellungen entspricht.






Die unmittelbare Priorität liegt jetzt darin, die Themen zu umreißen, wobei uns durchaus klar ist, dass ein Konsens über das, was wir wollen, schon unter einigen wenigen Leuten – geschweige denn bei Millionen – sehr viel schwieriger zu erzielen ist als Einigkeit über das, was wir nicht wollen. Was wir ablehnen, ist direkt und konkret. Zusammen mit Milliarden von Mitmenschen leben und atmen wir die Konsequenzen der wirtschaftlichen Globalisierung und teilen den großen Schmerz, den sie der Menschheit und der Erde zufügt.






Jede Vision über eine alternative Zukunft ist ungewisser. Sie beinhaltet viele Möglichkeiten und ist stets ein Konzept im Aufbau. Bürgerbewegungen, die sich mit dem Thema Globalisierung auseinander setzen, haben keine Regierungen, keine offizielle Ideologie, keinen charismatischen Führer mit einem Mandat, für das Ganze zu sprechen. Wir haben uns zusammengefunden, weil wir die Überzeugung teilen, dass die Menschen über die Fähigkeit zu Kooperation, Mitgefühl, Kreativität und verantwortlichen Entscheidungen verfügen, die eine bessere Welt möglich machen, auch wenn diese Eigenschaften allzu oft durch die Kultur und die Institutionen der wirtschaftlichen Globalisierung unterdrückt werden. Wir lernen gemeinsam, während wir alle daran arbeiten, Möglichkeiten in Wirklichkeiten zu verwandeln.






Bei der Vorbereitung dieses Berichts haben wir versucht, dem treu zu bleiben, was wir als den übergreifenden Konsens empfinden, der sich in diesen Bewegungen entfaltet. Wir sind uns jedoch bewusst, dass jeder Versuch, gemeinsame Positionen für eine so vielfältige Bewegung zu artikulieren, zwangsläufig Gegenstand von Diskussionen und Debatten ist. Deshalb haben wir Muster und Punkte von Konvergenz innerhalb der Bewegung gesucht. Aber letztendlich sind die Beobachtungen und Schlussfolgerungen, die wir hier präsentieren, doch hauptsächlich ein Ausdruck unserer persönlichen Ansichten in diesem speziellen Augenblick der Geschichte und unserer eigenen Entwicklung.






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Siehe auch


Herbert Rauch / Alfred Strigl: Die Wende der TitanicWiener Deklaration für eine zukunftsfähige Weltordnung



Geseko von Lüpke: Die AlternativeWege und Weltbild des Alternativen Nobelpreises. Pragmatiker, Pfadfinder, Visionäre



Vandana Shiva: Erd-DemokratieAlternativen zur neoliberalen Globalisierung