langelieder > Bücherliste > Club of Rome 2012




Jorgen Randers
2052

Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre
Der neue Bericht an den Club of Rome
40 Jahre nach »Die Grenzen des Wachstums«


München 2012 (oekom); 448 Seiten; ISBN-13: 978-3-86581-398-5


Website zum Buch: www.bericht-2052.de




Siehe auch:


Dennis und Donella Meadows, Erich Zahn, Peter Milling – Die Grenzen des Wachstums (1972)


Donella und Dennis Meadows, Jørgen Randers – Die neuen Grenzen des Wachstums (1992)


Donella Meadows, Jørgen Randers, Dennis Meadows – Grenzen des Wachstums – Das 30-Jahre-Update (2006)




Jorgen Randers, einer der Co-Autoren von „Grenzen des Wachstums“, hat ein Szenario für die nächsten 40 Jahre erstellt; er stützt sich dabei auf globale Prognosen führender Wissenschaftler, Ökonomen und Zukunftsforscher. Trotz der überwiegend düsteren Prognosen glaubt Randers nicht an einen globalen Kollaps, denn »der Anpassungsprozess der Menschheit an die Grenzen dieses Planeten hat begonnen«. Aber der Report gibt auch keine Entwarnung, denn die Zukunft wartet mit gewaltigen Herausforderungen auf, wird geprägt sein von sozialen Unruhen und zahlreichen Umbrüchen. Sie zu meistern wird unsere Jahrhundertaufgabe sein. (Aus der Verlagsankündigung)




»Meine Prognose deutet auf keine unlösbaren Probleme in Bezug auf Öl, Nahrungsmittel, Wasser oder andere Ressourcen hin. (…) Die größte Herausforderung in unserer gemeinsamen Zukunft ist also nicht das Lösen der Probleme, sondern die Entscheidung, sie auch lösen zu wollen.« (Seite 277)


Jørgen Randers


Jahrgang 1945, ist Autor zahlreicher Bücher und wissenschaftlicher Berichte. Er war Co-Autor des Reports »Die Grenzen des Wachstums« (1972) und mitverantwortlich für die Aktualisierungen der Jahre 1992 und 2004. Von 2004 bis 2009 war er Generaldirektor des World Wildlife Fund; heute ist er Dozent für Klima- und Zukunftsfragen an der renommierten Norwegischen Business School in Oslo.


Inhaltsverzeichnis


Danksagung






Vorwort: Was wird die Zukunft bringen?




Wird die Welt zusammenbrechen?
Eine wohlbegründete Vermutung






TEIL 1: HINTERGRUND






1

Sorgen um die Zukunft




Warum jetzt?
Ist eine Prognose möglich?
Warum 40 Jahre?
Grundlagen für eine wohlbegründete vermutung
Volldampf voraus, aber den Seelenfrieden wahren







2

Fünf große Fragen im Blick auf 2052




Die Nachhaltigkeitsrevolution
Fünf zentrale Fragen rund um den Systemwechsel
Das Ende des Kapitalismus?
 Ausblick 2-1: Die dunklen Jahrzehnte: Privileg und Polarisierung (von Carlos Joly)

Das Ende des Wirtschaftswachstums?
 Ausblick 2-2: Den Konsum in Asien einschränken (von Chandran Nair)

Das Ende der »langsamen« Demokratie?
 Ausblick 2-3: Im Schneckentempo Richtung Nachhaltigkeit (von Paul Hohnen)

Das Ende der Eintracht zwischen den Generationen?
 Ausblick 2-4: Krieg um Gerechtigkeit zwischen den Generationen (von Karl Wagner)

Das Ende des stabilen Klimas?
 Ausblick 2-5: Extremwetter im Jahr 2052 (von Robert W. Corell)






TEIL 2: MEINE GLOBALE PROGNOSE






3

Die meiner Prognose zugrunde liegende Logik




Der Leitstern
Ein in groben Zügen gezeichnetes Bild
Eine kurze Zusammenfassung meiner Geschichte
Das deterministische Grundgerüst
Lineare Darstellung eines kreisförmigen Labyrinths
Die mathematische Formulierung
Eine abschließende Bemerkung zur Datengrundlage







4

Bevölkerung und Konsum bis 2052




Die Bevölkerungszahl wird ihren Höchststand erreichen
Die Erwerbsbevölkerung wird ihren Höchststand etwas früher erreichen
Die Produktivität wird wachsen, aber auf Hindernisse treffen
Die Produktion (das BIP) wird wachsen, aber immer langsamer
 Ausblick 4-1: Das Ende unwirtschaftlichen Wachstums (von Herman E. Daly)

Investitionen – erzwungene und freiwillige – werden zunehmen
Neue Kosten werden entstehen
Anpassungs- und Katastrophenkosten werden explodieren
Der Staat wird sich stärker einmischen
 Ausblick 4-2: »Hellgrünes« Wachstum (von Thorvald Moe)

Der Konsum wird stagnieren – und mancherorts sinken







5

Energie und CO2 bis 2052




Die Energieeffizienz wird weiter zunehmen
Der Energieverbrauch wird steigen, aber nicht endlos
Die Klimaintensität wird durch erneuerbare Energien gesenkt
 Ausblick 5-1: Der Weg zur Photovoltaik (von Terje Osmundsen)
 Ausblick 5-2: Das Ende der Atomkraft (von Jonathon Porritt)

Die CO2-Emissionen durch Energieverbrauch erreichen 2030 ihren Höhepunkt
Die Temperatur wird um mehr als 2°C steigen
Ein Temperaturanstieg um 2°C wird zu ernsthaften Problemen führen
 Ausblick 5-3: Schwere Zeiten für arktische Gewässer (von Dag O. Hessen)
 Ausblick 5-4: Flucht in die Großstadt (von Thomas N. Gladwin)







6

Ernährung und Fußabdruck bis 2052




Die Nahrungsmittelproduktion wird eine geringere Nachfrage befriedigen
Biokraftstoffe und weißes Fleisch auf dem Vormarsch
 Ausblick 6-1: Teures Öl = Teure Nahrungsmittel (von Erling Moxnes)
 Ausblick 6-2: Die Grenzen der Proteinproduktion (von David Butcher)

Kommerzieller Fischfang wird auf ausgewiesene Fischereizonen begrenzt
Die Ökosysteme der Erde werden gestört
 Ausblick 6-3: Wettlauf um die letzten Rohstoffe (von Mathis Wackernagel)

Ungenutzte Biokapazität wird stark abnehmen
 Ausblick 6-4: urban mining – Städte als Rohstoffquelle für Metall (von Chris Tuppen)
 Ausblick 6-5: Parks als letzte Rückzugsorte der Natur (von Stephan Harding)







7

Die nicht-materielle Zukunft bis 2052




Geringeres Brutoinlandsprodukt: Weniger Druck auf die globalen Wachstumsgrenzen
Langsame Steigerung der Produktivität
Spannungen durch verminderten Konsum
Kurzfristiges Denken
Mehr Staat
Erzwungene Umverteilung
Megastädte
 Ausblick 7-1: Das Leben in Megastädten und die Entäußerung des Verstandes (von Per Arild Garnåsjordet und Lars Hem)

Allgegenwärtiges Internet
Verlust des Besonderen
Fortschritte bei der Gesundheit
 Ausblick 7-2: Öffentliches Gesundheitssystem – Persönliche Gesundheit (von Harald Siem)

Neue Bedrohungen für die Streitkräfte
 Ausblick 7-3: Kriege der Zukunft und der Aufstieg der Roboter (von Ugo Bardi)
 Ausblick 7-4: Militär für Nachhaltigkeit (von John Elkington)







8

Der Zeitgeist von 2052




Fragmentierung: Betonung lokaler Lösungen
 Ausblick 8-1: Schottland schließt sich dem neuen Europa an (von Catherine Cameron)
 Ausblick 8-2: Das Ende der mediterranen Disparität (von Thymio Papayannis)
 Ausblick 8-3: Slum-Urbanismus in Afrika (von Edgar Pieterse)

Ein neues Paradigma: Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum
 Ausblick 8-4: Wertschätzung des Ganzen (von Peter Willis)

Modifizierter Kapitalismus: Weises Regieren gewinnt an Bedeutung
 Ausblick 8-5: CSR 2.0: Unternehmerische Nachhaltigkeit und Verantwortung (von Wayne Visser)

Kollektive Kreativität: Ein Netzwerk aus engagierten Individuen
 Ausblick 8-6: Die Weisheit der vielen nutzen (von Elisabeth Laville)
 Ausblick 8-7: Die Jugend spielt für eine bessere Welt (von Sarah Severn)

Generationengerechtigkeit: Den Blick weiten






TEIL 3: ANALYSE






9

Gedanken über die Zukunft




Die Motoren der Veränderung
Die Zukunft im Schaubild
Es wird spannend!
Meine eigenen Reaktionen
Acht konkrete Fragen zur Zukunft
Wild Cards
Der Weg ins Jahr 2052
 Ausblick 9-1: Run auf die Sonne (von Paul Gilding)
 — Ausblick 9-2: Finanzierung der Zukunft
(von Nick Robins)







10

Fünf regionale Zukünfte im Blick auf 2052




Die Vereinigten Staaten
 Ausblick 10-1: Strahlende solare Zukunft (von William W. Behrens)

China
 Ausblick 10-2: China – die neue Hegemonialmacht (von Rasmus Reinvang und Bjørn Brunstad)

OECD-ohne-USA (OECD)
BRISE (Brasilien, Russland, Indien, Südafrika, Indonesien u.a. große Schwellenländer)
 Ausblick 10-3: Reichtum durch Biokraftstoffe (von Jens Ulltveit-Moe)

Die restliche Welt







11

Vergleich mit anderen Zukünften




Der Vergleich mit einem globalen Computermodell
Vergleich mit der Studie Die Grenzen des Wachstums
Grenzüberziehung und Zusammenbruch im Detail
Perspektiven für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts
 Ausblick 11-1: Die fünfte kulturelle Stufe (von Dag Andersen)
 — Ausblick 11-2: Die dritte Blütezeit des Lebensbaums
(von Jonathan Loh)







12

Welche Möglichkeiten haben wir noch?




Vorgehen einer idealen Weltgemeinschaft
20 persönliche Ratschläge
Leben Sie mit der drohenden Katastrophe, ohne die Hoffnung zu verlieren







Schlussbemerkung






Anhang




1. Zusammenfassung
2. Definitionen und Datenquellen
3. Ausblicke 2052: Weiterführende Literatur
4. Zusätzliche Daten zu Fertilität und Produktivität







Anmerkungen



Über den Autor


Leseprobe


siehe: www.oekom.de/fileadmin/buecher/PDF_Leseprobe/2052_Leseprobe.pdf


Zitate


Seite 196: »(…) Zu meiner großen Überraschung weicht das Endresultat doch deutlich von dem ab, was ich ursprünglich erwartet hatte. Ich war eigentlich auf eine trostlose Zukunft gefasst, die Mitte des 21. Jahrhunderts in einer wie immer gearteten Umweltkatastrophe enden musste. (…) Die Welt der Zukunft, auf die ich stieß, stellt sich jedoch sehr viel differenzierter dar: Während manche Regionen ganz gut wegkommen, erleben andere einen dramatischen Niedergang und Anarchie; überall jedoch wird man sich mit immer unberechenbarerem Wetter auseinandersetzen müssen und für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts sind noch heftigere klimatische Verhältnisse zu befürchten. Die Zukunft, auf die ich stieß, wird außerdem bestimmt durch Urbanisierung: Auf der Suche nach Entwicklungsmöglichkeiten, Sicherheit und Stärke drängen sich die Menschen in riesigen Metropolen zusammen. Pro Kopf gerechnet ist diese Welt ärmer als erwartet und die vorherrschende Lebensweise sagt mir persönlich nicht besonders zu – vielen anderen möglicherweise schon. Die Menschen werden fern der verschwindenden Natur mit ihren Wechselfällen in einer künstlichen, städtischen Umgebung leben und medial bestens vernetzt sein. Auf Rohstoffknappheit in größerem Umfang bin ich nicht gestoßen, da sich die Welt der Zukunft in materieller Hinsicht kleiner und ärmer darstellt, als ursprünglich angenommen. Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass es bis 2052 zwar ganz passabel weitergehen wird, aber die Welt ist dann auf einem Weg, den ich wirklich fürchte – auf dem Pfad eines sich selbst verstärkenden Klimawandels hin zur Klirnakatastrophe in der zweiten Jahrhunderthälfte. Die Welt sieht keinesfalls einer wohlgeplanten Zukunft in Nachhaltigkeit entgegen






Seite 277: »Meine Prognose deutet auf keine unlösbaren Probleme in Bezug auf Öl, Nahrungsmittel, Wasser oder andere Ressourcen hin. (…) Die Weltwirtschaft verfügt über enorme Kräfte, die Gesellschaft muss nur entscheiden, sie auch zu nutzen. Die größte Herausforderung in unserer gemeinsamen Zukunft ist also nicht das Lösen der Probleme, sondern die Entscheidung, sie auch lösen zu wollen. Das erfordert viel Überzeugungsarbeit: Menschen und Kapitaleigner müssen überzeugt werden, kurzfristig Opfer zu bringen, die Ärmel hochzukrempeln und mit anzupacken. Die Einsicht, dass wir handeln müssen, wird kommen. Aber spät. Und das Handeln selbst wird noch später kommen. Und noch später erst sehen wir die Ergebnisse des Handelns. Die Menschen werden also ziemlich lange mit dem ungelösten Problem leben müssen. Warten, bis ›der Markt‹ den Startschuss zum Handeln gibt, wird die Zeit aufgezwungener Opfer nur verlängern. Eine weitsichtige politische Führung könnte der Gesellschaft einen Tritt vors Schienbein versetzen und sie so zum Handeln bringen. Wahrscheinlich ist aber, dass die demokratische Mehrheit der Wähler mit ihrer kurzfristigen Perspektive dies verhindert.«






Seite 298/299: »Was wäre, wenn die führenden Politiker weltweit beschließen würden, im Rahmen eines gemeinsamen Plans 20 Jahre lang jedes Jahr fünf Prozent des weltweiten BIP zur Lösung des Klimaproblems zu verwenden? Das würde bedeuten, dass fünf Prozent der arbeitenden Bevölkerung und fünf Prozent des Kapitals für die Herstellung und Erbringung klimafreundlicher Güter und Dienstleistungen arbeiten würden. Dieses große Projekt würde das Klimaproblem lösen. Nach 20 Jahren gemeinsamer und gut geplanter Anstrengungen wäre die Weltwirtschaft emissionsfrei. – Eine sehr einfache Möglichkeit, dies zu erreichen, wäre eine Kohlenstoffsteuer von 100 KKP-Dollar pro Tonne CO2, die am Abbaupunkt der Kohle, an der Ölquelle und am Eintrittspunkt des Gases in die Pipeline erhoben wird. Dies würde pro Jahr drei Billionen KKP-Dollar (100 KKP-Dollar für jede der 32 Milliarden Tonnen CO2, die derzeit jedes Jahr ausgestoßen werden) generieren, was fünf Prozent des weltweiten BIP im Jahr 2010 von 67 Milliarden KKP-Dollar jährlich entspreche. Das Geld könnten die Regierungen von den Energiekonzernen eintreiben, die die Kosten an die Verbraucher weiterreichen würden. Die Regierung könnte allen Bürgern genau diese Extrakosten erstatten, allerdings mit einem pauschalen Pro-Kopf-Betrag. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit erneuerbarer Energien enorm steigern und die Beseitigung fossiler Energie beschleunigen. Die Regierung könnte den Prozess weiter vorantreiben, indem sie einen Teil des Geldes als vorübergehende Subvention in Projekte steckt, die zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen.«






Seite 299: »Der Weg ins Jahr 2052 wird dornenreich und voller Konflikte sein wie immer bei einem Paradigmenwechsel. Diejenigen, die an das alte System glauben, die Wachstumsbefürworter, werden sich für eine Fortführung des fossilen Zeitalters einsetzen und erbittert für das kämpfen, was sie für die richtige Lösung halten, auch weil diese angeblich richtige Lösung ihnen ihre Privilegien sichert. (…) Die Wachstumsbefürworter werden mit ihrem Versuch, das Problem auszusitzen und darauf zu hoffen, dass Technik und Markt die Sache schon regeln werden, zur Verschärfung beitragen. – Widerstand gegen die Wachstumsbefürworter leisten die Nachhaltigkeitsmahner, ein bunter Haufen, der nur eines gemein hat: einen längeren Zeithorizont. (…) Die Nachhaltigkeitsfraktion wird am Ende den Sieg erringen, aber nicht schnell genug, um Schaden vom Planeten abzuwenden. Sie wird erst dann siegen, wenn die Zerstörung durch Klimawandel, Ressourcenerschöpfung, Biodiversitätsverlust und wachsende Ungerechtigkeit sichtbar und fühlbar geworden ist. (…) Sie wird erst dann siegen, wenn der Bedarf an Nachhaltigkeit (…) kein akademisches Thema mehr ist, sondern ein Blick aus dem Fenster genügt (…).«






Seite 309: »Die Welt muss lernen, mit geringerem Wirtschaftswachstum als heute üblich zu leben. Das gelingt uns nur, wenn wir auch lernen, wie man ohne Wachstum umverteilt. (…) Aber wenn es nicht die Weisen und Weitsichtigen sind, die für mehr Gerechtigkeit sorgen, dann werden es die Jungen und Arbeitslosen sein, die ihnen Beine machen. (…) Die Jungen werden nicht unbedingt gewalttätig rebellieren, aber doch so stark, dass sie die Besitzverhältnisse hinter den Zahlen der Bilanzposten in Banken und Volkswirtschaften nachhaltig verändern.«






Seite 404: »(…) ich bin der Meinung, dass die größte Herausforderung in unseren eigenen Köpfen bestanden werden muss. Es ist überraschend schwierig, optimistisch zu bleiben, wenn man im tiefsten Herzen weiß, dass die Welt auf eine Katastrophe zusteuert. Selbst wenn man ein ansonsten perfektes und befriedigendes Leben führt, ist es doch ermüdend zu wissen, dass so viel systematisch unternommen wird, um unsere gemeinsame Zukunft zu zerstören. Daher noch ein paar letzte ermutigende Worte: Lassen Sie sich von der drohenden Katastrophe nicht die Laune verderben. Lassen Sie sich von der Aussicht auf eine suboptimale Zukunft nicht alle Hoffnungen zerstören. Hoffen Sie auf das Unwahrscheinliche! Arbeiten Sie auf das Unwahrscheinliche hin! Denken Sie außerdem daran: Selbst wenn wir unseren Kampf um eine bessere Welt verlieren, wird es die Welt trotzdem auch in Zukunft geben. Und die Welt wird eine Zukunft haben, nur eben nicht so schön und harmonisch, wie sie hätte sein können.«






Seite 406/407 (Zusammenfassung): »Der Anpassungsprozess der Menschheit an die Grenzen des Planeten hat tatsächlich begonnen. In den kommenden 40 Jahren werden die Anstrengungen, den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, weitergeführt werden. Der künftige Anstieg der Weltbevölkerung und des weltweiten BIP wird nicht nur durch diese Anstrengungen verlangsamt, sondern auch durch einen rapiden Rückgang der Fertilität infolge der Urbanisierung, durch den Rückgang der Produktivität aufgrund sozialer Unruhen und durch die andauernde Armut unter den Ärmsten zwei Milliarden Menschen auf der Welt. Gleichzeitig werden beeindruckende Fortschritte in der Ressourceneffizienz und bei klimafreundlichen Lösungen gemacht. Der Fokus wird sich von der Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens auf das menschliche Wohlergehen verlagern. – Dennoch: Die breite Datenbasis von 2052 lässt den Schluss zu, dass die Menschen zu langsam reagieren. Der kritischste Faktor sind die anthropogenen Treibhausgasemissionen. Diese Emissionen werden so hoch bleiben, dass unsere Enkel in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wahrscheinlich mit einer sich selbst verstärkenden und damit unkontrollierbaren globalen Erwärmung leben müssen.«






Seite 405 (Schlussbemerkung): »Es bleibt mir nur noch eines zu sagen: Bitte helfen Sie mit, dass meine Prognose sich als falsch erweist. Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen.«


Kommentar


Was mir beim Lesen als erstes positiv auffällt, ist, dass Jorgen Randers sich nicht als anonymer, unbeteiligter Datenlieferant im Hintergrund hält, sondern dass er seine Nachricht als betroffener Zeitgenosse vorbringt, der sehr wohl auch durchblicken lässt, wie es ihm selbst dabei geht. Dadurch wird der Bericht für mich zum Vortrag eines guten Lehrers, dem ich gespannt folge, zu einer lehrreichen Erzählung, die mich tiefer beeindruckt als eine große Sammlung von Wertetabellen und Diagrammen, und mich auch tiefer in eine bewusste Auseinandersetzung mit dem heiklen Thema verwickelt.

Dass ich nicht mit Daten und Diagrammen überschüttet werde, erfreut mich als zweites. Ich glaube dem Autor gerne, dass er eine große Menge an Daten verarbeitet hat, bin aber froh, dass er seinen Vortrag nur mit einer maßvollen Auswahl daraus unterfüttert.

Als drittes großes Plus erlebe ich die zahlreich eingefügten „Ausblicke“ anderer Autoren, die Randers‘ Darstellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ergänzen.

Dass eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre recht behält, erwarte ich nicht. Sie wird vielleicht „in vieler Hinsicht“ recht behalten, wahrscheinlich aber werden sich im veranschlagten Zeitraum auch neue Optionen eröffnen, die heute noch nicht sichtbar sind: neu erkennbare Wirkungs-Zusammenhänge und unerwartete Ereignisse, die die Prognose auf ungeahnte Weise verändern. Die Wirklichkeit ist ja sehr viel reicher an Möglichkeiten, als wir uns vorstellen können – insbesondere dann, wenn sie auf eine Krise zusteuert, auf eine „Engstelle“, an der viele gewohnte, berechenbare Entwicklungslinien turbulent und chaotisch werden und an Kipp-Punkte gelangen, an denen „Zufälle“ über die weitere Richtung entscheiden. Das ist es, was für dieses Jahrhundert am sichersten prognostiziert werden kann: die globale Krise. Und genau die macht eine weitere Prognose geradezu unmöglich.

Trotzdem begrüße ich es, wenn jemand eine solche Prognose wagt, wie Jorgen Randers es tut, wenn er nicht nur Chancen und Gefahren analysiert, sondern aufgrund seiner „wohlbegründeten Vermutungen“ vorstellbare Szenarien schildert und auch sagt, welches Szenarium er im Augenblick für das wahrscheinlichste hält.

Seine Prognose „deutet auf keine unlösbaren Probleme in Bezug auf Öl, Nahrungsmittel, Wasser oder andere Ressourcen hin. (…) Die Weltwirtschaft verfügt über enorme Kräfte, die Gesellschaft muss nur entscheiden, sie auch zu nutzen. Die größte Herausforderung in unserer gemeinsamen Zukunft ist also nicht das Lösen der Probleme, sondern die Entscheidung, sie auch lösen zu wollen“ (Seite 277). An anderer Stelle (Seite 407) heißt es: „Das Ausbleiben von engagierten und konsequenten Reaktionen der Menschheit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf einen gefährlichen Pfad der sich selbst verstärkenden globalen Erwärmung bringen.“ Wir Menschen hätten es also – der äußeren Sachlage nach – in der Hand, für die Nachhaltigkeit einer menschenfreundlichen Ökosphäre zu sorgen; wir werden aber – das ist Jorgen Randers‘ große Sorge – aus in uns selbst liegenden Gründen (Kurzsichtigkeit in Ökonomie und Politik, psychologische Probleme) zu lange zögern, dies auch wirklich zu tun. Hier bleibt Raum für Zuversicht: Vielleicht können die blockierenden „Sachzwänge“ doch schneller überwunden werden als befürchtet; Jorgen Randers fordert mich als Leser deshalb auch auf (Seite 404): „Hoffen Sie auf das Unwahrscheinliche! Arbeiten Sie auf das Unwahrscheinliche hin!“ und beendet seinen Bericht mit den Worten: „Bitte helfen Sie mit, dass meine Prognose sich als falsch erweist. Gemeinsam können wir eine bessere Welt erschaffen.“

Befremdlich finde ich manche seiner 20 persönlichen Ratschläge, die er zum Schluss gibt für den Fall, dass „die Menschheit die Kurve nicht mehr kriegt und es zulässt, dass Armut weiter besteht und der Klimawandel sich immer weiter verstärkt“. Das sind Ratschläge an die Bewohner der bis dato wohlhabenden Industriestaaten, wie sie mit den drohenden Einbußen am besten fertig werden. Nachvollziehbar erscheint mir der Rat Nr. 2: „Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden“, z.B. ein eigenes Gärtchen in der Vorstadt – wir werden wahrscheinlich Hochhauswohnungen in überfüllten Megastädten bewohnen müssen. Ratschlag Nr. 3: „Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität“ kann ich gerade noch als traurigen, aber folgerichtigen Pragmatismus interpretieren, obwohl er mir schon zynisch erscheint. Dem Ratschlag Nr. 4: „Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern“ (denn als Naturliebhaber werden sie unnötig darunter leiden, dass diese Natur nach und nach verschwindet), kann ich nicht mehr folgen. Jorgen Rangers: „Ein solcher Wertetransfer ist sehr nützlich, solange die Gesellschaft sich nur langsam verändert, weil die Kinder so lernen, ihre Lebensumgebung zu mögen. Wenn Gesellschaft und Umgebung sich zu schnell verändern, verlieren die Ratschläge der Älteren ihre Bedeutung. Und im ungünstigsten Fall werden die Kinder ihr Leben lang unglücklich, weil sie mühsam die falschen Werte gelernt haben.“

Kann man die „Liebe zur Natur“ mit all ihren Werten einfach als „falsch“ über Bord werfen, weil „Natur“ restlos von menschlicher „Kultur“ ersetzt wird? Wenn Gesellschaft und Umgebung sich in globalem Ausmaß so schnell verändern, dass eine Überlieferung von Werten sich nicht mehr lohnt, weil diese sich innerhalb einer einzigen Menschengeneration fundamental ändern, dann sind wir am Höhepunkt der „globalen Beschleunigungskrise“ (Peter Kafka), an dem das Neue nicht mehr auf Bewährtem aufbauen kann und ein Absturz in kompliziertes Chaos schon aus logischen Gründen wahrscheinlich wird. Sollten wir uns nicht spätestens dann erinnern an die Natur, wie wir sie liebten, weil sie uns lehrreiche Kunde gab von einer gut eingespielten, dynamischen Ordnung von hoher Komplexität, von hohem „Wert“ also?

Möglicherweise verstehe ich Jorgen Rangers in diesem Punkt falsch. Diese Werte-Diskussion ändert auch nichts daran, dass ich das Buch wärmstens zur Lektüre empfehle.






Ernst Weeber



(Dieser Kommentar wurde auch als „Kundenrezension“ bei Amazon eingestellt)