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Kirstin Dow und Thomas E. Downing
Weltatlas des Klimawandels

Karten und Fakten zur globalen Erwärmung


Hamburg 2007 (Europäische Verlagsanstalt); 112 Seiten; ISBN 978-3-434-50610-
Originaltitel: The Atlas of Climate Change, UK 2006






„Treibhausgasreduktion ist genauso eine Frage der Wahl wie das Atmen.“
(Andrew Simms, New Economics Foundation, 2001)

„Mittlerweile können wir uns leider nicht mehr der Hoffnung hingeben, dass die Skeptiker des Klimawandels Recht hatten. Die Zeit, an den Grundlagen zu zweifeln, ist vorbei, stattdessen wird jetzt über spezifische Folgen diskutiert: über das mögliche Tempo der Veränderungen, die Höhe des Meeresspiegelanstiegs, die Wahrscheinlichkeit des Kollapses der westantarktischen Eisdecke und die zunehmende Häufigkeit und Stärke von Hurrikans. Darüber hinaus finden wichtige Debatten statt, wie wirtschaftliche und sozial verträgliche Wege zu einer Minderung und Anpassung an den Klimawandel aussehen könnten sowie über die besten Strategien für eine internationale Zusammenarbeit.“ (...) „Nach alarmierenden Katastrophenwarnungen, wegwerfenden Äußerungen von Skeptikern, Jahrzehnten des Rufens nach mehr Forschung, Verweisen auf die Komplexität von Verhandlungen und der Verwirrung über den Grad der Übereinstimmung unter den Wissenschaftlern wollen wir den Menschen mit diesem Atlas eine Quelle bieten, die es ihnen ermöglicht, sich selbst mit den Grundzügen des Klimawandels vertraut zu machen.“ (Aus der Einleitung)

Basierend auf den neuesten verfügbaren Daten informiert der „Weltatlas des Klimawandels“ mit zahlreichen Karten, Grafiken und Tabellen über die physikalischen Zusammenhänge des Treibhauseffekts, bereits eingetretene und zu erwartende klimatische Veränderungen, mögliche ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Folgen und Möglichkeiten zum Klimaschutz auf privater und öffentlicher Ebene.


Kirstin Dow


promovierte Geografin, a.o. Professorin an der University of South Carolina, Forschungsstipendiatin des Stockholm Environment Institute. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören ökologische Gefahren und die politische Dynamik ökologischer Probleme. Sie hat zu den Folgen des Klimawandels Maßnahmen gegen den Klimawandel, der Anfälligkeit des Wassersystems für klimatische Veränderungen und städtischer Ökologie publiziert.




Thomas E. Downing


promovierter Geograf, Direktor des Oxforder Büros des Stockholm Environment Institute, Gastprofessor an der Oxford University, Beiträger zum Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) und Berater des Klimaprogramms der britischen Regierung. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Abschätzung der Vulnerabilität (Verwundbarkeit) und möglichen Strategien der Anpassung an die Klimarisiken.


Inhaltsverzeichnis


Vorwort von Prof. Hans Joachim Schellnhuber



Einleitung



Definitionen von Schlüsselbegriffen






TEIL 1 – ZEICHEN DES WANDELS






Warnzeichen



Neue Aufzeichnungen und Beobachtungen auf der ganzen Welt stimmen mit den Erwartungen der Forscher bezüglich des Klimawandels überein.



Polare Veränderungen



Die Erwärmung der polaren Regionen treibt das Schmelzen des Eises in großem Umfang voran – mit lokalen und globalen Folgen.



Gletscherrückgang



Die meisten Gletscher der Erde weichen in beispiellosem Tempo zurück – ein eindeutiges Warnzeichen.



Alltägliche Extreme



Wetterbedingte Katastrophen sind überall auf der Welt in zunehmendem Maße an der Tagesordnung.






TEIL 2 – DER KLIMAWANDEL VERSTÄRKT SICH






Der Treibhauseffekt



Die wachsende Konzentration von Treibhausgasen schließt mehr Wärme ein.



Das Klimasystem



Das gesamte Klimasystem passt sich einem Anstieg der in der Erdatmosphäre zurückgehaltenen Wärme an.



Die Interpretation vergangener klimatischer Bedingungen



Die Konzentration von CO2 und Methan sind höher als jemals zuvor in den letzten 650.000 Jahren. Die Erde ist so warm wie niemals zuvor in den letzten 1000 Jahren.



Das Klima der Zukunft vorhersagen



Vorhersagen zufolge sollen die globalen Temperaturen weiter ansteigen.






TEIL 3 – URSACHEN DES KLIMAWANDELS






Vergangene und gegenwärtige Emissionen



Die meisten Treibhausgase sind freigesetzt worden und werden weiterhin freigesetzt, um die Bedürfnisse moderner Industrienationen zu decken.



Fossile Brennstoffe



Die Emission von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ist die Hauptursache des Klimawandels.



Methan und andere Gase



Eine Bandbreite von Treibhausgasen trägt zum Klimawandel bei.



Verkehr



Internationaler Handel, Reisen und wachsende Abhängigkeit von Kraftfahrzeugen machen das Verkehrswesen zu einer der Hauptquellen von Treibhausgasemissionen.



Störung des Kohlenstoffgleichgewichts



Kohlenstoff ist in der Natur unentbehrlich, aber Veränderungen in der Bodennutzung können gelagerten Kohlenstoff freisetzen und so zum Klimawandel beitragen.



Landwirtschaft



Bei der Produktion von Nahrungsmitteln werden Treibhausgase freigesetzt. Während die Landwirtschaft zum Teil der Sicherung der Grundbedürfnisse dient, ermöglicht sie andernorts dem wohlhabenden Konsumenten den Luxus der Auswahl.






TEIL 4 – ERWARTETE FOLGEN






Gestörte Ökosysteme



Viele der bereits durch die menschliche Entwicklung bedrohten Spezies und Ökosysteme könnten nicht in der Lage sein, sich neuen klimatischen Bedingungen und Belastungen anzupassen.



Gefährdete Wasserversorgung



Bereits jetzt ist Wassermangel zunehmend ein Grund zur Sorge. In einigen Gebieten wird er durch den Klimawandel noch verschärft werden.



Ernährungssicherung



Der Klimawandel gefährdet die Ernährungssicherung, obwohl die Ernteerträge in gemäßigten Zonen steigen könnten.



Gefahren für die Gesundheit



Der Klimawandel gefährdet die Gesundheit des Menschen. Wahrscheinlich werden die ärmsten Regionen hiervon am stärksten betroffen sein.



Steigender Meeresspiegel



Die Wärmeexpansion der Ozeane und die Eisschmelze werden zu einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels und somit zu einer Gefährdung vieler Küstenregionen führen.



Städte in Gefahr



Die Erosion der Küsten, das Eindringen von Salzwasser in Süßwasservorräte und Küstenstürme bedrohen die Küstengebiete – oftmals Regionen mit einem hohen Bevölkerungswachstum und starker wirtschaftlicher Entwicklung.



Kulturelle Verluste



Die Schäden, die indigene Kulturen, historische Gebäude und archäologische Ausgrabungsstätten erleiden werden, kommen zu den unabsehbaren wirtschaftlichen Verlusten des Klimawandels hinzu.






TEIL 5 – AUF DEN WANDEL REAGIEREN






Internationales Handeln



Die meisten Länder haben das Problem des Klimawandels durch die Unterzeichnung der Klimarahmenkonvention anerkannt.



Die Ziele von Kyoto einhalten



Viele Länder sind auf dem Weg, ihre Verpflichtungen von Kyoto einzuhalten, aber selbst die vereinbarten Ziele stabilisieren die Treibhausgasemissionen bei weitem nicht auf einem als sicher erachteten Niveau.



CO2-Handel



Der Handel mit Emissionszertifikaten ist ein Weg, die Last der Senkung der globalen Treibhausgasemissionen zu verteilen.



Den Klimaschutz finanzieren



Die derzeit bereitgestellten Mittel reichen nicht aus, um den Ländern zu helfen, auf den Klimawandel zu reagieren.



Lokales Engagement



Vielerorts entwickeln lokale und regionale Behörden viel ehrgeizigere Maßnahmen zur Emissionsreduktion als die nationalen Regierungen.



CO2 und Wirtschaftswachstum



Wirtschaftliches Wachstum kann mit geringeren Treibhausgasemissionen erreicht werden.



Erneuerbare Energien



Erneuerbare Energien könnten der technologische Schlüssel zu wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Gesellschaften sein.



Anpassung an den Wandel



Die Fähigkeit eines Landes, sich an klimatische Gefahren und Belastungen anzupassen, hängt mit seinem Wohlstand, seinen Ressourcen und seinem politischen Führungssystem zusammen.






TEIL 6 – DEN LÖSUNGEN VERPFLICHTET






Persönliches Handeln



Überall auf der Erde ergreifen Menschen Maßnahmen, um die aus ihrem Lebensstil resultierenden Treibhausgasemissionen zu reduzieren.



Öffentliches Handeln



Die politischen Maßnahmen, Verfahrensweisen und Investitionen von Regierungen, Unternehmen und Bürgerorganisationen werden einen großen Einfluss auf unsere Zukunft haben.






TEIL 7 – DATEN ZUM KLIMAWANDEL






Datentabellen



Differenziert nach Ländern: Bevölkerungszahl, Bruttonationaleinkommen, Einstufung nach Index der menschlichen Entwicklung (HDI), Genutzte Wassermenge, Küstenbevölkerung, Wetterkatastrophen, CO2-Emissionen, Methanemissionen, CO2-Intensität



Quellen



Index


Leseprobe


Vorwort






Der Mensch ist momentan dabei, seinen Lebensraum umfassend und dauerhaft zu verändern. Eine wachsende Weltbevölkerung von derzeit 6 Milliarden Menschen mit noch nie dagewesenen technischen Kapazitäten beeinflusst das globale natürliche System in einer massiven und sicherlich nicht „nachhaltigen" Weise. Paul Crutzen und Eugene Stoermer haben unsere heutige geologische Epoche daher als das Anthropozän bezeichnet, als das vom Menschen dominierte Zeitalter. Unsere Zivilisation ist gewissermaßen zur Naturgewalt geworden, die weitreichende Veränderungen in den Ökosystemen herbeiführt – Veränderungen, die zurückwirken und unser Leben und das zukünftiger Generationen bedrohen werden.






Der Klimawandel ist das Paradebeispiel für diesen Prozess: Seit Beginn der Industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts in Großbritannien hat der ungebremste Verbrauch von fossilen Brennstoffen und der damit verbundene Ausstoß von Treibhausgasen dazu geführt, die Atmosphäre unseres Planeten zu erwärmen. Die Wissenschaft hat inzwischen große Fortschritte gemacht, die möglichen Folgen dieser Entwicklung abzuschätzen. Beispielsweise helfen uns komplexe Modelle dabei, den Einfluss steigender Temperaturen auf den Wasserkreislauf oder aber das Auftreten von Extremereignissen verstehen und prognostizieren zu können. Es existieren allerdings auch Bereiche, in denen wir mit diesen Methoden schnell an unsere Grenzen stoßen. Zum Beispiel gibt es sogenannte Kippschalter im Erdsystem, wo nach dem Überschreiten bestimmter Grenzwerte für Temperatur, pH-Niveau etc. irreversible Prozesse in Gang kommen können. Zu diesen sogenannten "Tipping Points" zählen unter anderem die Kontinentaleismassen des Grönländischen und Westantarktischen Eisschildes, der Regenwald des Amazonas, der Westafrikanische und Indische Monsun sowie die großen Korallenriffe der Erde. Abgesehen von den ökologischen Folgen, die ein Absterben des Regenwaldes oder ein Ausbleiben des indischen Sommermonsuns nach sich ziehen würden, wären die sozialen und ökonomischen Auswirkungen in den davon betroffenen Ländern immens.






Und dies führt uns zum harten Kern der Klimaproblematik. Während die Industrieländer ihren Wohlstand den historischen Treibhausgasemissionen verdanken – denn bisher war wirtschaftliches Wachstum direkt mit einem Anstieg des fossilen Energieverbrauchs verbunden –, so haben die Entwicklungs- und Schwellenländer fast nichts zu diesem Problem beigetragen. Zudem werden Letztere am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Andererseits erlaubt es die rasche ökonomische Entwicklung in den Schwellenländern auch nicht, diese ganz aus der Verantwortung zu nehmen. Die große Herausforderung ist daher, die Kausalität von wirtschaftlicher Entwicklung und Energieverbrauch zu durchbrechen, wofür nicht weniger als eine Dritte Industrielle Revolution vonnöten sein wird. Dies erfordert einerseits eine Umstrukturierung der Industrieländer in nachhaltig wirtschaftende Gesellschaften. Andererseits müssen die Schwellen- und Entwicklungsländer bei ihrem Streben nach Wohlstand unterstützt werden, künftig jedoch auf dem Pfad der Nachhaltigkeit. Die Aufgaben könnten also monumentaler nicht sein.






Der Klimawandel ist damit zu Recht zu einem überragenden politischen Thema geworden, bei dem auch sehr starke wirtschaftliche Interessen involviert sind. Heute getroffene Investitionsentscheidungen werden Auswirkungen auf die Infrastruktur und die Energiesysteme der nächsten Jahrzehnte haben. Immerhin zeigen die neuesten politischen Entwicklungen, dass ein langsames Umdenken bei den größten Treibhausgasemittenten begonnen hat. Einige Staatengruppen haben sich bereits ehrgeizige Ziele gesetzt, um den Weg in Richtung einer kohlenstofffreien Gesellschaft zu gehen. Aus genau diesem Blickwinkel bietet der vorliegende Atlas wichtige Hintergrundinformationen. Die dargestellten Fakten erlauben es dem Leser, zu einer unabhängigen Einschätzung der Probleme zu gelangen, um das Handeln von Regierungen und internationalen Organisationen realistisch und rational bewerten zu können. Denn nur mit Unterstützung einer gut informierten Öffentlichkeit, die die Notwendigkeit mutiger politischer Entscheidungen versteht und akzeptiert, ist die erforderliche Kurskorrektur möglich!






Prof. Hans Joachim Schellnhuber CBE
Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK)
Professor für Physik an den Universitäten von Potsdam und Oxford
Klimaberater der Bundesregierung









Einleitung






Die weitreichenden Folgen des Klimawandels werden sowohl den Forschern als auch den Menschen in ihrem normalen Alltag immer deutlicher. In Teilen von Alaska sind Bewohner bereits Zeugen einer Erwärmung um bis zu 4°C geworden. Dadurch sacken Gebäude ab, da der Boden, auf dem sie stehen, zum ersten Mal seit Menschengedenken im Tauen begriffen ist. Gärtner und Ornithologen beobachten verlängerte Wachstumsperioden, veränderte Wanderflugmuster und eine frühere Blütezeit. Extremere Wetterlagen mit Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen scheinen mehr und mehr zur Regel zu werden. Auf alten Fotografien kann man noch zeitlos wirkende Gletscher bewundern, die heute bereits verschwunden sind. Überall auf der Welt werden die Anzeichen für den Klimawandel – die wir am liebsten abtun würden – nur allzu deutlich. Es wird oft über einen Zusammenhang von ungewöhnlichem Wetter und Klimawandel gescherzt – solche Bemerkungen sind jedoch nicht mehr länger nur als Spaß anzusehen.






Die Geschwindigkeit der Klimaänderung ist beispiellos und wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Ausmaß erreichen, welches sowohl an die Umweltpolitik als auch an die Fähigkeiten der internationalen Politik große Herausforderungen stellen wird. Dabei wird es ebenso auf neue institutionelle Strategien und Kooperationsmethoden ankommen wie darauf, weit vorausschauende Entscheidungen zu fällen. Wir glauben ebenso wie die Forscher, die sich seit Jahren mit den Auswirkungen der Klimaänderungen auf die Menschen und ihre Lebensgrundlagen auseinandersetzen, dass der Klimawandel und die möglichen Folgen sehr ernst zu nehmende Themen sind und dass einige dieser Auswirkungen sehr bedrohlich für uns sind. Andere Folgen mögen nicht ganz so gefährlich sein, aber es wird konzertierter Anstrengungen bedürfen, um sich ihnen anzupassen. Wir glauben auch, dass ein besseres Verständnis des Problems und seiner Vielschichtigkeit uns dabei helfen würde, einige der Gefahren von vornherein zu vermeiden, und uns dahin bringen würde, unsere Anstrengungen mit Bedacht zu lenken und uns den Herausforderungen gemeinsam zu stellen. Bisher ist die Klimapolitik zum größten Teil in den Händen von Forschern, Umweltschützern und Politikern. Aber es ist an der Zeit, dass sich an dieser Aufgabe mehr Meinungen und Perspektiven beteiligen. Die notwendigen Veränderungen bedürfen uns aller Engagement.






Nach alarmierenden Katastrophenwarnungen, wegwerfenden Äußerungen von Skeptikern, Jahrzehnten des Rufens nach mehr Forschung, Verweisen auf die Komplexität von Verhandlungen und der Verwirrung über den Grad der Übereinstimmung unter den Wissenschaftlern wollen wir den Menschen mit diesem Atlas eine Quelle bieten, die es ihnen ermöglicht, sich selbst mit den Grundzügen des Klimawandels vertraut zu machen. Jede Karte dieses Atlas präsentiert ein anderes zentrales Thema der derzeitigen Debatten, angefangen mit den physikalischen Prozessen über die möglichen Auswirkungen bis zur Entwicklung angemessener Gegenmaßnahmen. Aus jahrzehntelangem Engagement und Diskussionen über den Klimawandel ist ein umfassendes Wissen hervorgegangen, welches jeden Aspekt der Wissenschaft und des Lebens berührt. Durch dieses Wissen werden nicht alle Unsicherheiten ausgeräumt; aber trotz der Komplexität, Einzigartigkeit und Unbeständigkeit gibt es doch Themen, bei denen Einigkeit herrscht, gestützt auf umfassende wissenschaftliche Literatur. Die Veröffentlichungen des Vierten Sachstandsberichtes (Assessment Report Four) des IPCC im Frühjahr 2007 spiegeln ein verbessertes Verständnis der Klimaforschung, der regionalen Auswirkungen und Gegenmaßnahmen, welche auf einem immensen Zuwachs an Beweismaterialien aus der ganzen Welt basieren. Dieser Atlas wurde zusammengestellt, während die Arbeitsgruppe des IPCC noch an ihren Einschätzungen gearbeitet hat, aber im Großen und Ganzen haben wir ihre Ergebnisse vorweggenommen. In diese aktuelle Version aus dem Jahre 2007 sind Änderungen eingeflossen, die auf die Summary Reports der Arbeitsgruppen I, II und III zurückgehen. Die folgenden Ausführungen fassen unsere Analysen zusammen und wollen unseren Standpunkt stützen, dass wir genug wissen, um zu handeln, und dass weitere Verzögerungen zu immer schwerwiegenderen Folgen führen werden.






(...)









Zeichen des Wandels






Rückblickend ist vieles einfacher zu beurteilen. Jeder kann hinterher sagen, dass die Zeichen hätten erkannt werden müssen und man es hätte kommen sehen müssen. Sich der Fragen und Rätsel der Gegenwart bewusst zu werden, ist jedoch oft sehr schwierig, insbesondere, wenn einige der zukünftigen Konsequenzen nur schwer vorstellbar sind.






Der Klimawandel stellt uns vor besondere Herausforderungen. Die meisten von uns haben die ersten Vorzeichen nicht mit eigenen Augen gesehen. Wissenschaftler des Mauna Loa Observatoriums auf Hawaii haben bereits in den 50er Jahren begonnen, die C02-Werte zu beobachten und haben einen jährlichen Anstieg der Konzentrationen festgestellt, dies wurde jedoch nicht als berichtenswert und interessant erachtet. Während der letzten zehn Jahre haben die Menschen in den nördlichen Regionen Gras an Stellen sprießen sehen, wo nie zuvor welches gewachsen war, sie haben miterlebt, wie sich durch das Tauen der Permafrostböden ihre Wege gewölbt und die Fundamente ihrer Häuser verschoben haben. Gärtner und Ornithologen haben in unzähligen Einzelbeobachtungen eine Verschiebung der Blütezeiten und der Länge der Wachstumsperioden sowie der Ankunfts-, Abflugs- und Nistzeiten heimischer Vögel festgestellt. Aber es bedarf der Zusammensetzung einer Vielzahl von Beobachtungen und Erkenntnissen, um diese Zeichen als Teile eines globalen Musters auszumachen.






Seit 1990 haben Forscher zunehmend ausgefeilte Bemühungen unternommen, um Teile dieses größeren Bildes zusammenzusetzen und zu analysieren. In diesem Abschnitt des Atlas berichten wir über die Ergebnisse der globalen Beobachtungssysteme, die die Ozeane, die Atmosphäre und Kryosphäre, tropische und gemäßigte Landstriche und Ökosysteme wie die Korallenriffe, Berge, Gletscher und die polaren Eiskappen überwachen. Dies sind nur einige Beispiele aus Hunderten von Untersuchungen, die sich mit den Auswirkungen wärmerer Temperaturen und anderer klimatischer Veränderungen beschäftigen.






Bei einem System, das so komplex ist wie das globale Klima und so vielfältig wie die globalen Ökosysteme, wird es immer eine gewisse Unsicherheit geben. Unser Verständnis einiger der Folgen entwickelt sich gerade erst. Trotzdem stellt uns diese Masse an Beweisen vor die Frage nach einer ganz anderen Ungewissheit: Wann endlich werden Regierungen, Unternehmen und jeder Einzelne von uns die Tragweite dieser Warnzeichen erkennen und die Notwendigkeit konsequenten Handelns einsehen?






(...)


Seitenansichten (PDF)


Alltägliche Extreme (Seite 26/27)



Der Treibhauseffekt (Seite 30/31)



Fossile Brennstoffe (Seite 42/43)


Siehe auch


Infos der Europäischen Verlagsanstalt zu diesem Buch



S. Rahmstorf / H. J. Schellnhuber: Der Klimawandel



Tim Flannery: Wir Wettermacher



World Future Council: Zukunft ist möglich – Wege aus dem Klima-Chaos